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Dacapo - The National Music Anthology of Denmark

Format:  CD

Catalogue Number:  8.226589

Barcode:  636943658925

Release month:  Jun 2016

Period:  21st Century

Review


OLE BUCK: Sinfonietta Works

12 October 2016  Nordische Musik
Ingo J. Biermann
5/6 Stars
Bitte acht geben: Ole Buck ist nicht der wegweisende norwegische Komponist aus dem 19. Jahrhundert, sondern ein vergleichsweise junger Zeitgenosse aus Dänemark. Auch wenn der Kopenhagener Komponist im Februar 2015 bereits seinen 70. Geburtstag feierte, sind sein Name und Werk – anders als beim beständig erwähnten und gespielten Kollegen Ole Bull aus Norwegen der Fall – bislang nahezu völlig unbekannt. Ein Grund für Dacapo: Das von der Dänischen Kunststiftung (Statens Kunstfond) gestützte Label hilft seit Jahren zuverlässig – neben der Arbeit mit mehr oder weniger bereits als »Klassikern« anerkannten Namen – nicht nur jungen Komponisten der Avantgarde, sondern auch älteren Semestern, die unverdientermaßen durchs Raster der Aufmerksamkeit gefallen sind, auf dem Weg in die mögliche Aufnahme in den »Kanon«. 

In diesem Sinne ist diese Zusammenstellung von vier Werken von Ole Buck ein Musterbeispiel für eine solche gelungene CD-Präsentation. Ebenso wie diese Kompositionen schwer zwischen Kammerorchester- und Ensemblebesetzung festzulegen sind, scheint Bucks Schaffen auch stilistisch zwischen viele Stühle zu fallen – weshalb die mangelnde Aufmerksamkeit ein wenig nachvollziehbar ist. Auf der anderen Seite beeindrucken diese vier einsätzigen Werke durch eine wunderbar charmante Eigenwilligkeit, die es dem Publikum doch in keinem Moment mit sperriger Kunstsinnigkeit schwer macht, die Musik zu genießen.

Nachdem Buck in den 1960ern und frühen 70ern reduzierte Musik gegen die herrschenden Moden schrieb, zog er Ende der Achtziger Jahre aufs Land, was sein Werk wohl zu weiterer Einfachheit und Schönheitssuche führte. Doch auch wenn das Bild des naturverbundenen Komponisten auf eine falsche Fährte lockt, in ihrer bestechenden Klarheit und faszinierenden »Neuen Einfachheit« sollten viertelstündige Stücke wie »Fiori di ghiaccio« (für 9 Instrumente, 1999) und »A Tree« (für 13 Instrumente, 1996) auch Liebhabern der Werke von Reich, Silvestrov oder gar Pärt zusagen. Auch Sibelius' Tondichtungen sind vage Anknüpfungspunkte. Dissonanzen gibt es hier nur am Rande, sie sind aber effektiv gesetzt, um die emotionale Wirkung der subtil am (amerikanischen) Minimalismus geschulten Stücke noch zu verdichten.

Während bei den ersten beiden Kompositionen dunkle Stimmungen mehr das Salz in der Suppe ihrer feinen Poesie sind, lässt hingegen das von der Kunstwelt beeinflusste (und entsprechend (un-)betitelte) »[untitled]« (für 8 Instrumente) aus dem Jahr 2010 recht deutlich an die harschen Streicher in Strawinskys »Frühlingsweihe« denken, sicher nicht versehentlich. Eine starke, mitreißende Nummer, die manch einem neoklassizistischen oder postromantischen Konzertprogramm gut stehen würde. Das abschließende längste Stück »Flower Ornament Music« (für 17 Instrumente, 2001) bietet das reichhaltigste Drama. Auch hier lassen sich zahlreiche Bezüge zu anderen großen Orchesterautoren der letzten 50 Jahre ziehen; und doch ist Bucks Klangsprache eine ganz eigene, eine, die für jede Komposition eine individuelle innere Welt öffnet.

In Form von drei Seiten Liner Notes ergänzt Jesper Lützhøft, der künstlerische Leiter der Kopenhagener Athelas Sinfonietta, die CD um mancherlei wertvolle Hintergrundinformation und Zusammenhänge. Von Ole Buck wollen wir sehr gerne noch mehr hören, sowohl auf weiteren CD als auch in unseren Konzerthäusern.



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