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Dacapo - The National Music Anthology of Denmark

Format:  CD

Catalogue Number:  8.226582

Barcode:  636943658222

Release month:  Mar 2016

Period:  

Review


JOHN FRANDSEN Songs

26 October 2016  Opera Lounge
Marcus Budwitius

John Frandsen (geboren 1956) ist einer der renommiertesten lebenden dänischen Komponisten mit einem umfangreichen Werk: Opern, Konzerte, Kammermusik sowie sakrale Werke (darunter auch ein Stabat Mater und ein Requiem) und Vokalmusik für Chor und Einzelstimme. Die hier zusammengestellten Lieder heißen schlicht Songs für solo voice, piano & guitar. Frandsen setzte deutsche, englische und skandinavische Lyrik in Töne und ordnete sie in Zyklen. Zu Beginn steht die 1993 geschaffene “Lystens liturgi”, eine Liturgie der Lustnach Worten von Pia Tafdrup und Salomons Hohelied, eine Liebeserklärung in Dänisch und Latein, die zwei Idiome zusammen bringt, präsentiert von der Pianistin Sofia Wilkmannund die Sopranistin Lise Davidsen. “Winternächte” sind vier Gedichte von Hermann Hesse, die von Countertenor Morten Grove Frandsen und dem Pianisten Orsi Fajgerpräsentiert werden.

Aus dem Jahr 1984 stammen die sieben “Songs of Innocence”, 1991 entstanden die fünf “Songs of Experience”, beide basieren auf Gedichten von William Blake, Frandsen hat beide Zyklen durch musikalische Parallelen miteinander verknüpft. “Unschuld” bezieht sich auf die Kindheit und Jugend in Form von Erwartung und Freude, “Erfahrung” ist ein Lamento ohne Zuspruch oder Trost und auch als Antwort auf “Unschuld” konzipiert. Der Sopran von Liv Oddveig Midtmageli wird dabei begleitetet vom Gitarristen Jesper Sivebæk. Weiterhin gibt es Gedichte von Henrik Nordbrandt sowie “Seven silly songs” nach anonymen englischen Spott- und Nonsense-Versen, die die CD beschließen. Man hört hier dicht gewebte Strukturen, singbare Melodien und suggestive Stimmungen – Frandsen ist einfallsreich, manche Lieder erinnern an Benjamin Britten. Wer sich exemplarisch die in Deutsch gesungenen “Winternächte” nach Hermann Hesse (Oktober 1944, La belle qui veutKnarren eines geknickten AstesBöse Zeit) vornimmt, die von Altern, Entfremdung und Kälte handeln, kann beim Anhören von Frandsens Liedern den Eindruck erhalten, dass manche Verknüpfungen zwischen Wort und Ton nicht unmittelbar überzeugen.

Das Kriegsgedicht „Oktober 1944“ beginnt mit einer Wetterbeschreibung, Frandsen vertont dies unruhig, fast aufgeregt, die folgende persönliche Bilanz mit dem Vers “Durch entlaubter Äste Gitter / Blickt der Winter todesbitter” ist hingegen ohne innere Aufregung und schicksalsergeben. “La belle qui veut” mit Reminiszenzen an eine verflossene Liebe beginnt nüchtern, die Musik beklagt nicht den Verlust der Liebe, sondern das Vergehen der Zeit, der Vers “Ich glaub’ es geht dem Winter zu” wirkt nicht melancholisch, sondern lakonisch. “Kahl, fahl, zu langen Lebens, zu langen Sterbens müd” – die Lebensmüdigkeit in “Knarren eines geknickten Astes” mit abgehackten Silben bündelt eine Empörung, die an anderen Stellen der Sammlung passender wäre. Und die lange Dunkelheit, die im Vers “Gib mir die Hand, vielleicht ist unser Weg noch weit” des Gedichts “Böse Zeit” kumuliert, besitzt kaum Kummer. Es ist kein selbstverständlicher Zugang zu Hesses Lyrik. Ca. 10 Opern scheint der Däne bisher komponiert zu haben – es wäre interessant zu wissen, wie präzise er dort den Ausdruck seiner Themen trifft. Anhand dieser Liedersammlung scheint der Zugang zu seiner tonalen, aber manchmal spröde anmutenden Musik nicht schwer und doch benötigt es wahrscheinlich Geduld. Wer auf der Suche nach einem interessanten zeitgenössischen Lied-Komponisten ist, sollte sich Frandsens Œuvre anschauen, der Komponist hat eine Homepage mit Notenbeispielen (http://www.johnfrandsen.eu/).





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