Heinrich Schütz: Die Sieben Worte; Johannes-Passion
01 August 2010
Fono Forum
Reimar Emans
Mit sakraler Grundiegung
Die kopplung dieser beiden so unterschiedlichen
Passionsvertonungen belegt die Bandbreite der Schütz'schen Klangsprache sehr
schön - wenn man davon ausgeht, dass Die sieben Worte wirklich von ihm stammen.
Dieses nämlich nimmt deutlich italienische Einflüsse auf, die zu einer recht
affektiven Tonsprache fürthen, während die Johannes-Passion dem Rezitationston
weitestgehend verplichtet bleibt. Auch aufrund des rein vokalen Vortrags
sprielt die Affektumsetzung hier eine sehr viel geringere Rolle als in der
anderen Passion, bei der nicht nur eine Continuo-Stimme vorlegt, sonders noch
zwei weitere Instrumentalstimmen. Ungewöhnlicherweise vertailt Schütz hier den
Part des Evangelisten auf verschiedene Stimmlagen oder gar auf Chöre.
Paul Hiller versteht es, die unterschiedlichen Charaktere
der beiden Passionen adäquat darzustellen. Alle Sänger bemühen sich dabai um
deutliche Artikulation und Textverständlichkeit, dank derer sich der Leidensweg
Christi auch ohne Booklet gut verfolgen lässt. Allein in den polyphonen
Chorsätzen muss der Hörer mitunter den Text arraten. Adam Riis besticht durch eine auch in der Höhe
flexible Stimme, die ihn für Jesus beziehungsweise die Evangelistenrolle
prädestiniert - auch wenn er gelegenlich aus ,Ich' ein ,isch' macht. Due
übrigen Sänger warden der Musik ebenfalls mehr als nur gerecht; allein Jakob
Bloch Jespersens Stimme könnte etwas stabiler sein; und Josef Hamber hat als
Pilatus doch hörbar einige Probleme. Die deutlich mit ihren unterschiedlich groβen
Hallanteilen akustich eingefangenen Kirchräume verleihen beiden Passionen die
nötige sakrale Grundierung.