Als
der Fünfzehnjährige Kopenhagen endlich erreichte, hatte es sich
ausgewalzert. Doch so schnell war der junge Jacob nicht bereit
einzusehen, daß die große Zeit des Walzers dem Ende zutanzte. Er hielt
an seinem Vorhaben fest und komponierte Walzer und Walzer und noch mehr
Walzer. Alles Walzer!
Mit 21 veröffentlichte er seinen ersten Dreivierteltakter. Es war das
Jahr 1900, das Jahr in dem Puccini seine "Tosca" komponierte, und
Sibelius die finnische symphonische Dichtung «Finlandia». Richard
Strauss und Hugo von Hofmannsthal schrieben sich Briefe, und Kurt Weill
wurde geboren. Aus den USA schwappte ein Tanz über den Teich, der sich "Cake-walk" nannte, und Jacob blieb Jacob und unerkannt. Welchen Namen
er sich auch gab, ob Maurice Ribot oder Leon Bonnard, seine
Kompositionen gelangten nicht zu dem so sehr erhofften Erfolg. Und dabei
war Jacob Gade durchaus sehr begabt. Doch Begabung alleine...
Ein wahres Schmuckstück, einen wunderbaren Eindruck von dem
Komponisten Gade und seiner Zeit liefert uns hier eine Einspielung des
Naxos-Labels Dacapo. Der Pianist des Jahrgangs 1980 Christian
Westergaard nimmt uns mit in ein Kino des Jahres 1926. Er spielt für
uns ein paar Walzer Gades, Kinomusik und auch Tangos.
Tango? Gade? Läutet es da etwa bei Ihnen? Und es läutet ganz zu
Recht! Denn ein einziges Werk, eine einzige Komposition, von so vielen,
machte Jacob Gade am Ende doch noch berühmt und erfolgreich. Aber ein
Walzer, nein, ein Walzer war es nicht. Es mag indes sein, daß der feine,
wohlerzogene und anständige so vom Erfolg verwöhnte Walzer gehörig
eifersüchtig gewesen ist auf den großen Erfolg des beeindruckenden und
ständig unanständigen Tango Jalousie. Und seit dieser Zeit, es war im
Jahre 1925, und Gade war bereits 46 Jahre, glaubt fast jedermann, Jacob
Gade habe sein Leben lang nichts anderes gewollt und getan als Tangos zu
komponieren.
Diese Aufnahme von Dacapo ist ein mutiges, schon längst überfälliges
Unterfangen, eine CD zu veröffentlichen, die ausschließlich
Kompositionen von Jacob Gade enthält, und zwar ohne den Tango Jalousie!
Ganz ehrlich? Wäre er auch auf dieser CD, enttäuscht wäre ich nicht.
Denn er ist wahrhaftig wunderbar, dieser Tango! Und doch grenzt es an
eine Sünde, diesen begabten Komponisten nur auf dieses eine Werk zu
reduzieren. Auf der Suche nach Veröffentlichungen von Gade, fand ich
selbst im «Bielefelder Klassik Katalog» (dem Nachschlagewerk für
Klassik-Tonträger) 18 verschiedene Einspielungen, auf denen der Tango
Jalousie unter anderem zu hören ist. Und eine einzige weitere CD mit
Gades Walzer Lykkeland. Das wars!
Wie schön, daß Dacapo eine Lanze bricht für einige unbekannte,
vernachlässigte Kompositionen Jacob Gades! Dafür mindestens zehn
ClassiCüsse von mir! Und für den Mann am Klavier, da gibt's vier, da
gibt's vier...! Das sehr informative Booklet, insbesondere interessant
für jene, welche Jacob Gade bisher nicht kennen, verdient ein dickes
Lob! Noch weitere zehn ClassiCüsse für denjenigen, der auszog ein Walzerkönig zu werden, um als Tangokönig sein Zuhause zu finden.
Haben Sie viel Freude an dieser Musik!
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