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Dacapo - The National Music Anthology of Denmark

Format:  CD

Catalogue Number:  8.207001

Barcode:  636943700112

Release Date:  Jun 2010

Period:  Late 20th Century

Review


Vagn Holmboe: The Complete String Quartets

13 October 2010  Crescendo
Christoph Schlüren

Botanische Musikformen

Vagn Holmboe (1909-96) war Dänemarks bedeutendster Komponist zwischen Carl Nielsen und seinem eigenen Schüler Per Nørgård. Zwar hat er auch sehr gehaltvolle Gesangswerke komponiert, doch bildet das Zentrum seines Schaffens zweifelsohne die Instrumentalmusik. Hier bildeten der zentraleuropäische Geist des verdichtenden Expressionismus und der aller Sentimentalität abholden Neuen Sachlichkeit mit der mystisch inspirierten Naturverehrung der nordischen Kunst einen neuen Fokus auf ein organisch sich formendes Komponieren ohne idealistischen Überbau, denn, so Holmboe, „in ihrer reinsten Form sind die Freude über Musik und ihr Erlebnis direkt und unmittelbar; sie können als Ausdruck eines vollendeten Ganzen erfahren werden und ein Gefühl für kosmische Zusammenhänge wecken. Sie können eine seelische Erschütterung hervorrufen und in glücklichen Augenblicken eine Erhebung oder Leichtigkeit der Seele schaffen, die den Zuhörer über das Alltagsbewusstsein hinausführen."

Hauptsegmente von Holmboes umfangreichem Schaffen (195 Opus-Nummern) sind die dreizehn Symphonien und zwanzig Streichquartette, die wie rote Fäden sein Lebenswerk durchziehen. Oder besser: grüne Fäden. Holmboe wollte vor allen Dingen Kreator organischer Einheit sein. Er war, wie viele Künstlerkollegen im Norden, ein genauer Beobachter der Natur, der sich in deren Phänomene versenkte und aus diesen Erfahrungen tonschöpferische Prinzipien und Handlungsweisen ableitete.

Lebenslänglich hat man ihn mit der von ihm in den fünfziger Jahren formulierten ‚Metamorphose-Technik‘ identifiziert, der Grundlage motivisch keimender, austreibender, variierender, verästelnder, ‚botanischer‘ Symphonik, die in der repetitiven Beharrlichkeit und dem herb-schroffen Aspekt Carl Nielsen verwandt war, sich in der naturhaft gesetzmäßigen Irregularität und schwerkräftigen Körperhaftigkeit an Jean Sibelius ausrichtete, Entscheidendes vor allem Bartók, Strawinsky und auch Hindemith verdankte.

Nun hat Dacapo die Einzelveröffentlichungen der Streichquartette mit dem Kontra-Quartett in einer Box zusammengefasst. Die Aufführungen sind eher etwas robust, in den Partituren steckt größerer Zauber, als hier zum Ausdruck kommt. Doch für den, der wissen möchte, was die Gattung im 20. Jahrhundert außer Bartók, Schostakowitsch, der zweiten Wiener Schule und Robert Simpson noch so an Essenziellem zu bieten hat, erschließt sich hier eine Quelle eindringlichster Entdeckungen von einem kaum bekannten Giganten der klassischen Moderne.






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