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Dacapo - The National Music Anthology of Denmark

Format:  SACD

Catalogue Number:  6.220645

Barcode:  747313164561

Release Date:  May 2016

Period:  

Review


PER NØRGÅRD Symfonier 2 & 6

21 June 2016  Nordische Musik
6/6 Stars

Es ist nicht einfach, ins Œuvre Per Nørgårds einzuführen, weil der Kopenhagener in den über 60 Jahren seines kreativen Schaffens zu einem der »ganz Großen« der Neuen Musik geworden ist. In seinem Heimatland ist ihm die Anerkennung längst zuteil, doch international, im Besonderen außerhalb der nordischen Länder, wurde sein Werk bis zuletzt eher stiefmütterlich wahrgenommen und gespielt. Dacapo bemüht sich seit Jahren mit großem Engagement, diesem Missverhältnis Abhilfe zu schaffen, veröffentlichte zahllose CDs mit Einspielungen vieler seiner Werke, bis hin zu dieser (bis dato) vollständigen Reihe seiner acht Sinfonien. Zu diesem Anlass wurde John Storgårds, seit gemeinsamer Arbeit beim finnischen Avanti! Summer Sounds 1999 mit dem Komponisten befreundet, mit der Einspielung der Sinfonien Nr. 2, 4, 5 und 6 beauftragt. Alle vier entstanden im Mai und Juni 2015 in der Oper Oslo mit dem Nationalorchester Oslo Philharmonic (Oslo-Filharmonien) und dem Produzenten Preben Iwan.

Auf dem Rückcover der CD wird Nørgårds zweite Sinfonie aus dem Jahr 1970 (mit Änderungen 1971) als »fast psychedelisch« beschrieben, was insofern ein wenig irreführend ist als dies keine schlechte Umschreibung für fast alle seine Sinfonien sein könnte. In der Zweiten vertiefte Nørgård »In einem Satz« seine Beschäftigung mit der »melodischen Unendlichkeitsreihe« (»infinity series«), die er 1968 mit »Voyage into the Golden Screen« für sich entdeckt und ausformuliert hatte. So gesehen ist die Zweite eine weitaus moderne Sinfonie als die Erste, da sie sich als einsätziges Orchesterstück völlig von den drei oder vier Sätzen der »klassischen« Sinfoniestruktur löst. In der Dritten und relativ kurzen Vierten wählte Nørgård jeweils eine zweisätzige Struktur, wobei er sich langsam aber sicher einer scheinbar satzlosen Form annäherte, da später, speziell ab der Fünften, alle Sätze eng miteinander verzahnt sind.

Die »Unendlichkeitsreihe« erklärt Karl Aage Rasmussen in seinem Essay für die Ernst von Siemens Musikstiftung folgendermaßen: »Das Prinzip ähnelt einer chinesischen Schachtel: Man findet immer wieder die gleichen Formen, groß und klein, in einander und in sich selbst eingebaut [...]. Die Strukturen entfalten sich auf verschiedenen Ebenen, beziehen sich aber stets aufeinander in einem endlosen Netzwerk – unendlich einfach, doch mit unendlich komplizierten Ergebnissen, genau wie in der Natur.« Nicht ganz einfach zu begreifen, zumal für den Nichtfachmann, doch entwarnend sei gesagt: Den großen, mitreißenden Fluss der Sinfonie Nr. 2 kann man gänzlich unintellektuell und ohne theoretisches Vorwissen wunderbar erfahren, in diesem Fall dank John Storgårds.

Ganz anders als die schwebende zeitgenössische Zweite präsentierte Nørgård Ende 1999 mit der Sechsten seine vielleicht »klassischste« Sinfonie in drei Sätzen. Der Titel »Am Ende des Tages« verweist weniger auf einen werkbezogenen oder biografischen Abschluss als vielmehr darauf, dass das Werk zum neuen Millennium verfasst wurde, als Auftragswerk von den drei nationalen Sinfonieorchestern in Dänemark, Schweden und Norwegen. Ein Neuanfang also; das Ende kommt nämlich gar nicht. In Rückbesinnung auf die Drei-Satz-Struktur (im Untertitel »Drei Passagen für großes Orchester«) bietet die Sechste eine rastlose Wundertüte an Orchesterfarben und Rhythmen, in der jeder Satz auch ein eigenes Werk sein könnte. Doch wie eingangs gesagt: Es ist alles andere als einfach, komplexes Nørgårds Schaffen in wenigen Worten zu umreißen. Treffend sagt der Komponist selbst (über seine Achte): »Es ist eine Musik, bei der man sich an nichts festhalten kann. Man findet es auf dem Weg.« 





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