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Dacapo - The National Music Anthology of Denmark

Format:  SACD

Catalogue Number:  6.220628

Barcode:  747313162864

Release Date:  Oct 2015

Period:  21st Century

Review


LARS GRAUGAARD: Venus

12 February 2016  Nordische Musik
Ingo J. Biermann
4/6 Stars
Zählt er mittlerweile auch schon langsam zur älteren Generation, so kann man Lars Graugaard eindeutig als zeitgenössischen Komponisten par excellence bezeichnen. Das vielseitige Schaffen des 1957 geborenen Dänen bewegt sich ungezwungen zwischen improvisierter Performance und Komposition, zwischen clubnaher, programmierter Elektronik und sperriger Orchestermusik, verbindet künstlerische Ausdrucksformen, ist ebenso philosophisch und theoriebeladen wie andererseits spontan und mit offenem Ausgang experimentierend. Das macht ihm so leicht keiner nach.

Mit »VENUS« präsentiert dacapo, das ambitionierte Label für zeitgenössische Musik, vier Werke, die für unterschiedliche Ensemblegrößen der New York University Steinhardt School of Culture, Education, and Human Development in Greenwich Village geschrieben wurden. Zwar sind diese Werke nach Partituren gespielt worden, doch für Graugaard sind das Komponieren mit Computer, etwa auf der Basis von IT-Forschung, und kognitive Musikwissenschaft wichtige Einflüsse und Teil der Performance. Mit dem Stichwort »interaktive Musik« zielt er auf ein einzigartiges und radikales Klangerlebnis ab. Zum Teil lässt sich dies in den vorliegenden Stücken finden und nachvollziehen, und der ausführliche und fundierte Beitext des chilenischen Komponisten Alejandro Guarellos liefert etliche wertvolle Verständnishilfen und Anstöße dazu. 

Handelt es sich bei »Book of Throws« um das Wagnis eines improvisierten Klavierkonzerts (mit Ensemble), das Jean-Michel Pilc angeblich ohne jegliches Vorwissen über die Komposition eingespielt haben soll (mit beeindruckendem Erfolg, wie man unumwunden festhalten muss), ist »Venus« eine Art Konzert für Violine und Kontrabass, mit dem NYU-Sinfonieorchester das wohl klassischste, eingängigste Stück der CD. Die Solisten, vor allem der Pianist, werden zu einer Vielzahl stilistischer Ausdrucksformen aufgefordert; sperrige Gegensätze sind unbedingt erbeten. Im etwas überdrehten »Layers of Earth« treffen 15 druckvolle Perkussionisten, ein unbequemer Oboist und ein interaktiver Computer aufeinander. Sirenengeheul scheint Graugaards Musik zudem mit einiger Freude am enervierenden Zwischenruf vor jeder Gemütlichkeit bewahren zu wollen. Alles, nur nicht konventionell, dürfte des Komponisten Motto sein.



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