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Dacapo - The National Music Anthology of Denmark

Format:  SACD

Catalogue Number:  6.220586-89

Barcode:  747313158669

Release Date:  Sep 2010

Period:  Classical

Review


Wolfgang Amadeus Mozart: Idomeneo, re di Creta

05 March 2011  Klassik.com
Dr. Daniel Krause

Interpretation: 
Klangqualität: 
Repertoirewert: 
Booklet: 



 

Adam Fischer hat jüngst von sich reden gemacht, nicht auf dem Wege der Musik und gewiss nicht durch eigenes Verschulden: ‚Liberale', ‚Juden', ‚Kosmopoliten' sind nicht wohlgelitten im Ungarn Viktor Orbáns. Als Generalmusikdirektor der Budapester Oper war Fischer dermaßen dreisten und kunstfernen staatlichen Eingriffen ausgesetzt, dass seine Demission unausweichlich wurde.

Fischers Zusammenarbeit mit der Dänischen Radiosinfonietta, auch als Dänisches Nationales Kammerorchester bekannt, wird durch die betrübliche Entwicklung in Ungarn vermutlich noch intensiviert. Ein Schwerpunkt liegt von jeher auf dem Schaffen Mozarts, so wurde für Dacapo ein Zyklus der Opere serie eingespielt. Hier liegt Idomeneo vor, 2005 in ‚Danish Radio Concert Hall', Kopenhagen, eingespielt, in einem akustischen Ambiente - transparent und arm an Hall -, das Fischers leichtfüßiger, federnder Gangart bestens entspricht.

 

Luzide Dionysien

Fischers Ehrgeiz geht erklärtermaßen darauf aus, einen ‚wilden‘, ungebärdigen, klassizistischer Glättung fernen Mozart-Stil auf die Klangbühne zu bringen: zumal mit Blick aufs jugendliche Hauptwerk, 'Idomeneo', ein legitimer, vielversprechender Ansatz - dies umso mehr, als Fischer zu differenzieren versteht. Ihm ist bewusst, dass ununterbrochene Adrenalin-Ausschüttung ermüdet. Für Andante- und Adagio-Strecken wird also gesorgt, von Dauer-Hysterie kann keine Rede sein. Auch die Dynamik zeigt sich flexibel: Dass ein Kammerensemble am Werk ist, hilft, klangliche Verdickung vermeiden und nähfadenfeine Phrasierungen spinnen. (Der Gebrauch moderner Instrumente steht dem keineswegs entgegen.) Besonders erfreulich: Sforzati blitzen für Momente auf, um sofort ins Piano oder Mezzoforte zurückzusinken. So machen sie zuverlässig Effekt, der Lärmpegel bleibt andererseits unter Kontrolle. Erstaunlich, wie viel Drama Fischer in Stille und Verhaltenheit entdeckt. Auch Rezitative werden ohne Forciertheit, doch deutlich. ausformuliert. Das Cembalo ergänzt sie um ‚exotische', barockisierende Farben.

 

Klassisch, nicht klassizistisch

Klassizistische Glättung findet nicht statt. Fischers Zugriff kann gleichwohl als ‚klassisch' gelten - gemäß der nach späterem Maßstab vergleichsweise diskreten, Extreme scheuenden Ästhetik des späten 18. Jahrhunderts. Adam Fischer malt mit feinem Pinsel, sein Interesse gilt - bei aller ‚Wildheit‘ - eher Nuancen als großspurigen, volltönenden Gesten.

Entsprechendes gilt fürs Ensemble der Sänger. Es präsentiert sich ungewöhnlich homogen, weil alle Akteure auf den klassischen Tonfall eingestimmt sind: Ihr Vortrag ist, mehr oder minder, durch schlanke Stimmführung, sparsam dosiertes Vibrato und genaue Diktion bestimmt. Es waltet Diskretion und Sorgfalt, die Worte werden aufmerksam, mit wachem Sinn für Bedeutungsschattierungen artikuliert.

Dacapo stellt 300 Seiten Booklet bereit, einschließlich des Librettos in italienischer, deutscher, französischer und englischer Sprache. Ausführliche Erläuterungen zur Entstehungsgeschichte und musikalischen Gestalt der Oper samt Fragmenten aus Mozart-Briefen verleihen dem Booklet ein außergewöhnlich seriöses Gepräge.

 





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