Wolfgang Amadeus Mozart: Mitridate re di Ponto
03 March 2010
Fono Forum
Gerhard Persché
Cleverer Verwerter
Wie ein Frettchen die geklauten Eier habe Mozart in Mitridate, re di Ponto die Gegebenhaiten der Opera seria ausgeschlürft. Ein
schlagendes Bild, das mir aus einer Rezension in Erinnerung blieb - denn in der
Tat hat sich der Komponist, als er die Oper 1770 für das Mailänder Teatro Regio
Ducal schrieb, dabei weniger als Originalgenie denn als cleverer Verwerter
gezeigt und sich aus dem Angebot des damals Verfügbaren reich bedient.
Die Da-capo-Arien, vom damals 14-Järigen innerhalb kürzester
Zeit notiert, reihen sich wie perlen einer Kette aneinander, gediegen und
konventionell konfektioniert. Natürlich entdeckt man bereits Spuren von
Späterem, weitaus Gewichtigerem - bis hin zu den Da -Ponte-Opern oder gar zun Titus. Den frappanten Schwung dieser mit virtuosen Kabinettstrückchen
gefütterten Partitur nimmt Adam Fischer mit der Danish Radio Sinfionetta in
dieser Aufnahme (in der Bearbeitung der Rezitative von Richard Lewis) aus den
Jahren 2002 bis 2003 ohne Weiteres mit; mit deutlichen Konturen un
Tiefenzuspizungen. Der Dirigent, der nach eigenem Bekunden den Wirklichen
Zugang zur Musik der Wiener Klassik durch die Zusammenarbeit mit Harnoncourt
fand, sucht sich wie dieser gegen das "Mozart-Glück" zu wehren: interpretatorische
Wellness.
Freilich wühlt er mit den auf modernen Intrumenten
speltenden Dänen weniger heftig im Gedärm des Sprachkörpers der Musik als sein
Vorbild, doch schält er Agogisk, Motorik und Rhetorik der Mozart'schen
Klangrede durchaus überzeugend heraus. Ihm zur Seite eine solide Sängerriege,
aus der Henriette Bonde-Hansens Aspasia ragt.