W.A. Mozart Symfonier Vol. 4
01 March 2010
Fono Forum
Andreas Friesenhagen
Gezwungen
Nach seiner in vieler Hinsicht problematischen
Gesamteinspielung der Haydn-Sinfonien scheint Adam Fischer jetzt allen Ernstes
einen Mozart-Zyklus ins Auge zu fassen. Als Folge 4 dieser Serie präsentiert er
die Sinfonien KV 96, 110, 112, 114, die Mozart 1771 zu Papier brachte. Das ist weitgehend
unkomplizierte Unterschaltungsmusik, die im pathetischen f-Moll-Andante von KV
96 oder im inspirierten Kopfsatz von KV 114 sogar etwas von Mozarts Genie
erahnen lässt.
Angenehm züzigschnurren die vier Sinfonien unter Fischers
Leitung dahin. Richtig fessln kann das, was hier vorlegt, aber nicht. Das liegt
unter anderem daran, dass - man wagt es kaum zu sagen - die Einfälle des
komponierenden Teenagers manchmal etwas bescheiden sind.
Vor allem aber liegt es an der oberflächlichkeit, mit der
Fischer hier zu Werke geht. Seine musikalische Schwarz-Weiβ-Malerei kennt man
vom Haydn-Zyklus ebenso wie die Zuflucht zu Effekten, die unterm Strich immer
etwas gezwungen wirken. Zum Beispiel lässt er im Kopfsatz von KV 112 ein
kleines Streichermotiv im Piano so geräuschhaft spielen, als sei hier
Sul-Ponticello-Spiel verlangt. Und immer wieder drängen sich unwichtige
Nebenstimmen ungebürlich in den Vordergrund. Dass man die Trio-Abschnitte der
Menuette in solischer Streicherbesetzung aufführt, ist auch nicht der
auffürungspraktischen Weisheit letzter Schluss.
Klanglich versucht Fischer den Anschluss an die
Originalklangbewegung, bleibt aber auf halbem Wege stehen. Kalkulierte
Schroffheiten stehen neben Tönen, die von zartem Vibratoschimmer umgeben sind.
Das Dänische Kammerorchester macht das alles zwar anstandslos mit, kommt dabei
aber nicht unbedingt immer vorteilhaft heraus.