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Dacapo - The National Music Anthology of Denmark

Format:  SACD

Catalogue Number:  6.220534

Barcode:  747313153466

Release Date:  Oct 2010

Period:  Early Music, Early Music, Baroque

Review


Dietrich Buxtehude: Scandinavian Cantatas

28 January 2011  Musikansich.de
Sven Kerkhoff

POLYGLOTTE OSTSEEKÜSTE

Das Bild Dietrich Buxtehudes (1637-1707) als herausragendem Vertreter der protestantischen, deutschprachigen Kirchenmusik wird mit dieser Produktion um interessante Facetten ergänzt: Alle Werke vertonen lateinische oder schwedische Texte. Bei den schwedischsprachigen Stücken handelt es sich nicht etwa um solche aus Buxtehudes früher Phase im damals dänischen, heute zu Schweden gehörenden Helsingborg, sondern wohl um spätere Auftragskompositionen. Im Ostseeraum waren und sind die Entfernungen kurz, die Sprachenvielfalt aber erheblich. Das Herren var Gud ist eine für Buxtehude typische Chorlavertonung, die durch die Instrumentalbegleitung und instrumentale Einschübe sehr bewegten Charakter bekommt. Hingegen ist Att du Jesu vill mig höra streng strophisch komponiert, wird aber durch eine herrliche Symphonia und ein raffiniertes Ritornell angereichert. Unter den lateinischen Werken findet sich bemerkenswerterweise eine Fronleichnamshymne auf einen Text Thomas von Aquins (Pange lingua gloriosi), die also offenbar auch in protestantischen Kirchen Verwendung fand, obwohl jenes Fest dort nicht begangen wurde. Darüber hinaus begegnet uns eine Missa brevis, wie auch Bach sie komponiert hat, nämlich lediglich aus Kyrie und Gloria bestehend. Sie ist Buxtehudes einzige Komposition im stile antico und wirkt fast wie ein Lehrstück des strengen Kontrapunkts. Das Accedite gentes stammt aller Wahrscheinlichkeit nach nicht von Buxtehude und weist dann auch eine für ihn eher untypische obligate Begleitung der Singstimmen auf. Charakteristisch hingegen wiederum das Domine salvum fac regem als geistliches Konzert für fünf Stimmen, mit seinem Wechsel zwischen Solo- und Tutti-Abschnitten und dem konzertierenden Instrumenalpart, der Buxtehudes Musik so lebendig und vielgestaltig macht. Dieses Werk besticht durch seine festliche Grundstimmung.

Paul Hillier, als Mitbegründer des legendären Hilliard-Ensembles einer der Spezialisten für Alte Musik, präsentiert die Werke mit dem von ihm 1989 aus der Taufe gehobenen Theatre of Voices mit aetherisch schwebender Leichtigkeit und größtmöglicher Transparenz. Alle sechs Sänger spüren sensibel der Delikatesse dieser Musik nach und verstehen es auch, das Ausdrucksspektrum vom klagenden Att du Jesu bis zum feierlichen Domine salvum fac regem perfekt auszudifferenzieren. The TOV Band liefert dazu einen schlanken, tänzerisch-bewegten Instrumentalpart. Die beiden ergänzenden Orgelstücke stellt die Buxtehude-Expertin Bine Bryndorf mit gewohnter Souveränität vor.
Dass man als Aufnahmeort die Marienkirche in Helsingör gewählt hat, mag zwar musikhistorisch stimmig sein, erhielt der jungen Buxtehude hier doch seinen ersten Orgelunterricht. Klangtechnisch erweist sich die Entscheidung aber als nicht ganz zuträglich, da die Aufnahme sehr viel Hall abbekommen hat, der für Buxtehudes sehr komplexe Vokalmusik problematisch ist und dem Bemühen des Theatre of Voice um Transparenz zuwiderläuft.





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