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Dacapo - The National Music Anthology of Denmark

Format:  DVD

Catalogue Number:  2.110412

Barcode:  747313541256

Release Date:  Dec 2015

Period:  Early 20th Century

Review


CARL NIELSEN Saul og David

30 August 2016  SWR 2
Jan Brachmann

Feindliche Philister sind im Anmarsch. Saul, der König Israels, weiß keinen Ausweg. David, der Schäfer mit der langhaarigen Hausbesetzer-Frisur, beißt gelassen in eine Stulle und meint: Keine Sorge, ich krieg’ das hin. Dann kommt eine Schlüsselszene in diesem zweiten Akt der Oper Saul und David von Carl Nielsen: David soll die Waffen Sauls ausprobieren und sagt, das sei alles zu schwer, er könne sich darin nicht bewegen. Eine leichte Steinschleuder genüge ihm. 

Hier geht es um die Zukunftsfähigkeit auch der Musik, deren Schutzpatron der biblische König David seit alters her ist. Die Last der Tradition wird abgeworfen, auch das Gepäck der mythologischen Oper Richard Wagners. Leicht soll es ins Morgen gehen. Carl Nielsen dachte seit 1896 über seine erste Oper nach und entschied sich 1898 für den alttestamentlichen Stoff von Saul und David nach einem Libretto von Einar Christiansen, der für das Königliche Theater Kopenhagen arbeitete, wo das Stück 1902 auch uraufgeführt wurde. Glaubt man dem Nielsen-Forscher John Fellow Larsen, so ging es Nielsen mit seiner ersten Oper um die Beschreibung eines gesellschaftlichen Paradigmenwechsels: Wie soll die Regierung sein? Autoritär und launisch wie der alte König Saul? Oder auf Volksnähe und Harmonie bedacht wie David?

Im April 2015, dem Jahr von Nielsens 150. Geburtstag, hat der englische Regisseur David Pountney diese Geschichte am Opernhaus Kopenhagen aus dem ersten Jahrtausend vor Christus in unsere Gegenwart und einen vage umschriebenen Nahost-Konflikt verlegt. In orientalischen Gewändern bewegen sich die Figuren vor dem Betonskelett eines Hauses ohne Außenwände. Ein Land im Krieg: Es geht blutig zu, nicht nur wenn Saul in der Eingangsszene ein Opferkalb schächtet. Am Ende werden Bilder von einem Luftangriff auf den Hintergrund projiziert. Grundsätzlich Neues gewinnt der Regisseur der Geschichte dadurch nicht ab. Interessanter ist die Figurenpsychologie, besonders komplex bei Saul. Er lebt sein Leben auf Gott bezogen und verwirkt dessen Gunst doch durch seinen dämonischen Ehrgeiz. Sein letztes Gebet, bevor er sich am Fleischerhaken erhängt, ist eine Abrechnung: „Mein Herr und Versucher, der du spottest im Himmel”.

Johan Reuter, einer der besten Heldenbaritone der Welt, überragt als Saul den Rest des Ensembles deutlich. Der Tenor Niels Jørgen Riis als David agiert an den Grenzen seiner Kraft. Aber Michael Schøwandt an der Spitze der Königlichen Kapelle Kopenhagen führt durch die Partitur mit viel Sinn für das Plastische dieser Musik und die dichten Anschlüsse schnell wechselnder Formen. Die Kamera-Arbeit fängt die stummen Blickwechsel der Akteure ein, intensiviert dadurch das Drama und zeigt nebenbei, was für ein exzellenter Schauspieler Reuter ist. Das zu sehen, lohnt sich; auch die Bekanntschaft mit dem Stück ist anregend. Es erinnert an die Historiendramen von Modest Mussorgski, ist aber mit 130 Minuten Spieldauer vergleichsweise kurz. Die DVD bietet zum dänischen Gesang nur englische Untertitel und ein englisches Beiheft. Bonus-Material sucht man vergebens. Dabei hätten Michael Schøwandt oder John Fellow Larsen zu diesem Stück gewiss viel zu sagen gehabt.





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