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Dacapo - Danmarks Nationale Musikantologi
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Format:  CD

Katalognummer:  8.226100

Stregkode:  636943610022

Udgivelsesdato:  Jan 2010

Periode:  Sent 20. århundrede, Sent 20. århundrede, 21. århundrede

Anmeldelse


Per Nørgård: A Light Hour

01 May 2010  Klassik.com
Michael Loos
5/5 Stars
Nur selten lässt ein Komponist Musikern so viele Freiheiten wie Per Nørgård (geb. 1932) in seinem Werk A Light Hour für Perkussions-Ensemble. Die Besetzung ist lediglich durch eine Untergrenze von zehn Spielern festgelegt, nach oben offen - theoretisch dürfen es beliebig viele sein. Auch für die Wahl der Instrumente gibt es großzügige Vorgaben: Schlaginstrumente mit Resonanzkörpern aus Fell, Metall und Holz müssen vorhanden sein, die genaue Einteilung bleibt den Ausführenden überlassen. Gert Mortensen, Leiter des auf vorliegender CD zu hörenden Percurama Perkussions-Ensembles, hat sich für die Anzahl von 22 Musikern (einschließlich ihm selbst) entschieden, die eine kaum überschaubare Vielfalt von Schlaginstrumenten bedienen. Vibra- und Marimbaphon dürften den meisten Hörern vertraut sein, doch an dieser Aufnahme von 'A Light Hour' beteiligen sich auch Darabuka, Djemba, Sudo und Cabasa - Instrumente, die wohl nur Perkussions-Experten etwas sagen. Wie der Titel erahnen lässt, dauert das Werk eine Stunde, was selbst den wohlmeinenden Musikfreund ein wenig irritieren könnte: Sechzig Minuten nur Schlaginstrumente, kann das gutgehen? Wird das nicht früher oder später langweilig?

Wer mit Perkussionsmusik gar nichts anfangen kann, wird sich wohl auch durch diese Einspielung nicht umstimmen lassen. Und auch wer Nørgård als herausragenden Orchesterkomponisten und Symphoniker kennt, muss sich bei 'A Light Hour' erst einige Minuten einhören. Doch jedem aufgeschlossenen Hörer sei versichert: Es lohnt sich. Was die 22 Mitglieder des Percurama-Ensembles im Laufe des Stückes teils entfalten, teils entfesseln, gleicht einer Offenbarung im Bereich der klassischen Schlagwerks-Musik. Es zeigt außerdem, dass es auch im 21. Jahrhundert immer noch musikalisches Neuland zu entdecken gibt - kompositorische Fähigkeiten wie diejenigen Nørgårds vorausgesetzt. Der Däne verzichtet weitgehend auf massive Klangballungen und vertraut dem von ihm häufig angewandten Prinzip der Unendlichkeitsreihe. Das Ergebnis sind immer neue klangliche Metamorphosen, die dem großen Perkussions-Apparat in seiner Vielfalt gerecht werden. Die Musiker entwickeln einen rhythmischen Sog, dem man sich schwerlich entziehen kann. Selbst Instrumente, die zunächst etwas befremdlich wirken mögen - beispielsweise eine Trillerpfeife - werden geschickt integriert. In allen vier Abschnitten bleibt reichlich Freiraum für Improvisationen. Damit stößt die Möglichkeit des Interpretations-Vergleiches an ihre Grenzen: Sollte jemals eine zweite Aufnahme von 'A Light Hour' erscheinen, dürfte sie gänzlich anders klingen als die hier vorliegende. Nørgårds flexible Vorgaben widersprechen dem, was die Musikwissenschaft ‚Werkcharakter‘ nennt. Dem Gesamteindruck tut das keinen Abbruch, sogar für kurze Gesangseinlagen ist in dem Stück Platz.

Sofort zugänglich ist das bisweilen einfach klingende, in Wahrheit höchst komplexe Werk jedoch nicht. Man sollte sich auf A Light Hour einlassen, um den differenzierten perkussiven Verästelungen allmählich auf die Spur zu kommen. Das sehr fein abgestufte Klangbild der CD macht es dem Hörer hierbei leicht. Insbesondere der Einsatz von Glocken und Metallophonen im dritten Abschnitt wurde bestens eingefangen. Nørgård und das Percurama-Ensemble demonstrieren mit A Light Hour zweierlei: Den überragenden Rang des Komponisten als (Er-)Finder neuer Klänge und die keineswegs schon voll ausgeschöpften Möglichkeiten der Perkussions-Musik. Man höre und staune.





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