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Dacapo Forsiden
Dacapo - Danmarks Nationale Musikantologi
e-maerket

Format:  CD

Katalognummer:  8.226028

Stregkode:  636943602829

Udgivelsesdato:  Oct 2009

Periode:  21. århundrede

Anmeldelse


Poul Ruders: Fire danse

25 February 2010  Klassik.com
Tobias Pfleger
4 Stars

 

MATERIALKONZENTRATION

Interpretation: ****
Klangqualität: ****
Repertoirewert: ****
Booklet: ***

Der dänische Komponist Poul Ruders, im Norden Europas für seine Orchestrierungskünste hoch geachtet, ist hierzulande ein weitgehend Unbekannter. Dem könnte vorliegende Aufnahme aus dem Hause Dacapo entgegenwirken. Vorgestellt werden hier drei Werke für Kammerensemble, entstanden zwischen 1983 und 2000. In diesen Werken steht nicht Poul Ruders (*1949) Fähigkeit der fein nuancierten Instrumentierung eines opulenten Orchesterwerks im Vordergrund, sondern im Gegenteil die Konzentration musikalischen Materials mit (zahlenmäßig) eingeschränkten instrumentalen Mitteln. Dass die drei Werke sowohl facettenreiche Farbspiele entfalten können, und dennoch die glitzernde Oberfläche in einer festen musikalischen Substanz verankert erscheint, ist das Verdienst der Birmingham Contemporary Music Group unter der Leitung des Dirigenten (und Komponisten) Oliver Knussen.

Knussen weiß mit seinem hervorragend disponierten Ensemble in den ‘Four Dances in One Movement' (1983) die musikalischen Charaktere der vier Sätze - man könnte von einem modernen Tanzpendant zu den vier Temperamenten sprechen - ebenso konturenscharf wie koloristisch umzusetzen. Konturenscharf, weil Ruders‘ Instrumentierung selbst bei solcher Konzentration der Mittel mit ihrer individuellen, sich ständig wechselnden Färbung die Stimmung der Sätze entscheidend bestimmt; koloristisch, weil selbst die Reduzierung des instrumentalen Apparats viele Möglichkeiten der Farbgebung offenhält. So steht im einleitenden ‘Whispering' eine unruhig wimmernde Klarinette im Mittelpunkt des Geschehens, während im folgenden, ‘Rocking' überschriebenen Satz zuerst meckernde Bläser das Geschehend bestimmten (man könnte man den Anfang anstatt des Satztitels auch als ‘Mockering' bezeichnen), woraufhin sich eine wiegende Bewegung in recht schriller, harter Instrumentalkolorierung durchsetzt. Die rhythmische Raffinesse des flotten dritten Satzes (‘Ecstatic') erinnert zusammen mit der Instrumentierung an Mark-Anthony Turnages Stilverbindungen von zeitgenössischer Musik und Jazz, worauf das Finale, ‘Extravagant' überschrieben, eine Zusammenführung der voraufgegangen musikalischen Charaktere bildet.

Von Oliver Knussen und der Birmingham Contemporary Music Group werden die unterschiedlichen und auch verschieden dichten Bewegungsmuster der ‘Four Dances in One Movement' sehr facettenreich und vor allem charaktervoll dargestellt. Die feingliedrige Musik von Poul Ruders erfordert einen subtilen, die Stimmungen feinfühlig nachzeichnenden Zugriff, und einen solchen bieten Knussen und das engagiert musizierende Ensemble. Das gilt auch für die Darstellung des knapp neunminütigen ‘Nightshade' (1987), in dessen Zentrum vor allem dunkle Instrumentalfarben stehen: Kontrabassklarinette, Kontrafagott, Posaune, Kontrabass. Die doppelte Bedeutung der ‘Deadly Nightshade', der englischen Bezeichnung für Belladonna (Tollkirsche), in der sowohl eine schöne Frau bezeichnet ist als auch der tödliche Nachtschatten, ist Ausgangspunkt einer poetisierend-stimmungsgesättigten Musik, die - nach den Worten des Komponisten - eine Geschichte umschreiben mag, freilich ohne sie programmatisch nachzuzeichnen: Ein junges Mädchen verlässt nachts das Haus, gerufen von einer unbekannten und gefährlichen Stimme und läuft in den tiefen, dunklen Wald...

Das jüngste Werk dieser Zusammenstellung, ‘Abysm' (2000) ist dem hier agierenden englischen Ensemble zugeeignet. Die mysteriösen, wie in verwischten Farben vorbeifließenden Klänge des ersten Satzes (‘Abysm') werden von Knussen und der Birmingham Contemporary Music Group effektvoll in Szene gesetzt, ehe im zweiten Satz (‘Burning'), angelegt für Klavier und drei Japanische Wood-Blocks, kreisende Pattern Unruhe entstehen lassen. Im letzten Satz entschwindet die Musik dann durch Flageoletttöne, gestrichenen Gong, Multiphonics und überblasene Töne in einen Bereich des Unwirklichen.

Auf der Aufnahme mit gut 50 Minuten Spielzeit hätte durchaus noch die eine oder andere Kostprobe aus Ruders kompositorischem Fundus Platz gefunden. Die exzellent und sehr direkt aufgenommene Einspielung kann dennoch mit drei farbigen und stimmungsvollen Werken für Kammerensemble aufwarten, deren Klangsprache aber zuweilen in ein Muster zeitgenössischer Idiomatik verfällt, das die individuelle Färbung von Ruders Werken in einem etwas unspezifischen musikalischen Tonfall aufgehen lässt.





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