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Dacapo Forsiden
Dacapo - Danmarks Nationale Musikantologi
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Format:  CD

Katalognummer:  8.226094

Stregkode:  636943609422

Udgivelsesdato:  Jan 2011

Periode:  Barok

Anmeldelse


Heinrich Schütz: Matthäus-Passion

09 June 2011  Klassik.com
Dr. Matthias Lange
4/4 Stars

Interpretation:
Klangkualität:
Repertoirewert:
Booklet:  

 
Heinrich Schütz hat mit seinen Historien und Passionen eine Reihe bemerkenswerter Alterswerke komponiert. Neben dem fast volkstümlichen Ton der atmosphärisch dichten Weihnachtshistorie lässt vor allem die implizite Archaik der Passionen aufhorchen: Schütz führt die in seinem avancierten Modell der rezitativischen Passion typische, vielschichtige Einstimmigkeit zu schönster Ausprägung. Schon die keineswegs komplexe Mehrstimmigkeit der Turba-Chöre unterstreicht dann eindrucksvoll, welche satztechnische und expressive Verdichtung Schütz hier erreicht. Zweifellos war Heinrich Schütz Verfechter einer fundierten kompositorischen Basis - vielleicht am deutlichsten im Vorwort zur Publikation seiner Geistlichen Chormusik ausgedrückt. Insofern ist seine im Alter vollzogene Hinwendung zur Sphäre des - in seiner Substanz wie in seinen Ausdrucksmöglichkeiten freilich filigran und subtil erweiterten - Einstimmigen nur konsequent. Ohne helfendes Bassfundament passten Schütz' Passionen nicht nur in die instrumentenlose Karwoche des Dresdner Hofes, sondern waren zugleich Teil des späten ästhetischen Programms des erfahrenen Tonsetzers. Auch die Matthäus-Passion des Jahres 1666 ist eines dieser großen Werke, die Schütz als schöpferische Lebenssumme hinterließ. Eine vergleichbare Konzentration beim Einsatz kompositorischer Mittel wäre bei aller Begabung jugendlicher Frische und früher Meisterschaft kaum zugänglich gewesen.
 
Differenziert und textorientiert

Paul Hillier hat sich mit seinem dänischen Ensemble Ars Nova Copenhagen in einer kleinen Reihe diesen erzählenden Kompositionen Schütz' zugewandt, durchaus mit guten oder noch besseren Ergebnissen, auch mit gewissen Reserven in der Deutung, die sich allzu oft vom Wort zu lösen schien. Die letzte Platte bringt nun die Matthäus-Passion zu Gehör: Im Zentrum steht Julian Podgers Evangelist. Podger verfügt über eine charaktervolle, individuelle Stimme, mit der er die Evangelistenerzählung jenseits nüchternen Berichtens zu beleben weiß. Sein Rezitationsstil ist fließend, gerät gerade in der Mittellage der Stimme angenehm leicht und selbstverständlich. Podger betont das Lyrische, spricht klar und zugleich sehr natürlich - ohne instrumentale Begleitung wäre eine überscharfe Diktion auch nicht unbedingt das Mittel der Wahl. Gerade der Text der Matthäus-Passion bietet mit seiner Vielfarbigkeit etliche Möglichkeiten zur dramatischen Entfaltung. Die nutzt Podger engagiert und entschlossen.

Während die Partie des Evangelisten in jeder der Einspielungen von einem anderen Tenor gesungen wurde, war Jacob Bloch Jespersen als Jesus die Bass-Konstante: Er singt mit seiner großen Stimme einen eher statischen und überpersönlich gezeichneten Jesus, ist gleichwohl geschmeidig und deutlich differenzierter im Einsatz seiner Mittel als auf der ersten Platte der Reihe. Die Partien der Soliloquenten werden dezent und zurückhaltend gesungen, mit klarer Diktion.

Einleitung, Beschluss und Turba-Chöre werden von den zwölf Vokalisten des Ensembles in einem schwebenden Klang feinsinnig vorgetragen, auch mit einer gewissen Agilität und doch nie übermäßig geschärft. Paul Hillier lässt sprachnah singen, führt die Vokalisten gelegentlich aber doch beispielsweise allzu strahlend in Endsilben, die dem Sprachduktus folgend deutlich unbetont sind.

Das Klangbild der in der Kopenhagener Garnisonskirche entstandenen Aufnahme ist groß, von einigem Volumen und damit sehr lebendig und vielfarbig. Doch zugleich - das fällt bei der konzentrierten instrumentenlosen Besetzung aber nicht allzu gravierend ins Gewicht - ist es etwas zu unpräzis, fasst es die Strukturen in der Größe des Raumes nicht optimal.

Paul Hillier und seinem kleinen Ensemble gelingt mit Geduld eine sehr überzeugende Interpretation, vor allem geprägt vom eindringlich gestaltenden Julian Podger als Evangelist. Hillier nimmt das Spezielle des solistischen Rezitierens nicht in Kauf, sondern deutet die feinen immanenten Potenziale dieser Setzweise aus. Dabei scheint er spürbar textorientierter als zu Beginn der Reihe vorzugehen. Im besten Sinne lässt der erfahrene Engländer erzählen - dramatisch, plastisch, lyrisch, entlang des fesselnden Passionsgeschehens.

 

Read the original review on Klassik.com's website: http://magazin.klassik.com/reviews/reviews.cfm?task=record&RECID=20193&REID=12459





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