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Dacapo Forsiden
Dacapo - Danmarks Nationale Musikantologi

Format:  SACD

Katalognummer:  6.220574

Stregkode:  747313157464

Udgivelsesmåned:  Jun 2014

Periode:  Sent 20. århundrede, Sent 20. århundrede, 21. århundrede

Anmeldelse


PER NØRGÅRD Symfonier 1 & 8

21 June 2016  Nordische Musik
6/6 Stars
Es ist schon einmal nicht die übliche Wahl, bei einem Zyklus der Sinfonien eines Komponisten die erste und die letzte zu kombinieren, doch wie man an dieser CD sieht, dürfte es gerne weitaus häufiger gemacht werden. In diesem Fall stellt man fest: Die ältere, zwischen 1953 und 1955 verfasste »Sinfonia austera« (»Strenge Sinfonie«) klingt, zumindest auf den ersten »Blick«, trotz Bezug zu Sibelius deutlich neutönender als die achte, die einen viel klassischeren, altmeisterlichen Gestus trägt. 

Wie es scheint, war diese Achte, 2010/11 entstanden, mit ein Auslöser dafür, dass Per Nørgård unlängst den renommierten, mit 250.000 Euro dotierten »Ernst von Siemens Musikpreis« erhielt. In den mehr als 40 Stiftungsjahren ist er damit der erste nordische Komponist, was bei den herausragenden Namen, die den Preis bislang erhielten, doch einiges aussagt – sowohl über die Rolle, die nordischen Komponisten in Mitteleuropa zugeschrieben wird als auch über den Status, den der 83-jährige Däne also derzeit einzunehmen scheint. So ist es besonders erfreulich, dass diese Einspielung nicht, wie die übrigen der Dacapo-Reihe, von einem skandinavischen Orchester, sondern von den Wiener Philharmonikern vorgenommen wurde – ein Mitschnitt ihrer Welturaufführung.

Die CD liefert tatsächlich eine hervorragende Einführung in Nørgårds Schaffen als einem der prägnantesten Sinfoniker der Gegenwart. Ob die Sinfonie als Ausdrucksform nicht ausgedient habe, wird gelegentlich gefragt. Warum sonst sollten Orchester in aller Welt vorrangig die alten Sachen früherer Jahrhunderte spielen, von Mozart über Mahler bis hin zu Schostakowitsch...? Welcher lebende Komponist könne diesen Klassikern etwas Nennenswertes hinzufügen? Nørgård kann, und auch wenn er den Einfluss von Sibelius selbst nicht verheimlicht, so fand er doch stetig einen ganz individuellen Ausdruck, der das Publikum ähnlich stark anzusprechen vermag wie der seiner großen Vorgänger.

Die erste Sinfonie war zwar bereits 1955 vollendet, wurde jedoch erst acht Jahre später im Konzert aufgeführt, nachdem sich Nørgårds Interesse bereits hin zu avantgardistischeren Gefilden Mitteleuropas verschoben hatte. Der Ersten hört man Einflüsse aus Sibelius’ Spätwerk an, an dem Nørgård sich zeitlebens immer wieder orientierte; man kann »Tapiola« oder die siebte Sinfonie durchschimmern hören, doch die Nachkriegszeit hatte bereits ihre Spuren hinterlassen: Die jugendliche »Strenge Sinfonie« ist geprägt von Spannungen und dunkler Atmosphäre, und insgesamt prägen die drei Sätze, ungeachtet der vielschichtig orchestrierten Klangfarben, so manche kraftvolle Reibungsfläche. 

Fast sechs Jahrzehnte später erkennt man die reichen Orchesterarrangements in der Achten sofort wieder, doch die Stimmung ist eine viel gelöstere, wärmere. Eine ambivalente Grundstimmung ist indes geblieben, aufgeladen von Rhythmen, die übereinander geschichtet und miteinander verzahnt sind. Zum Ende lässt sich sogar eine Parallele zum Tohuwabohu, in dem Nørgård zwanzig Jahre zuvor seine triumphale fünfte Sinfonie enden ließ, ausmachen. Bei der achten Sinfonie handelt es sich um Nørgårds bislang letztes Großwerk, das Laudator Karl Aage Rasmussen in seinem Essay als »vielleicht die subtilste, farbigste und am häufigsten überraschende von allen [Sinfonien Nørgårds]« umschreibt. »Wie so oft und so vielfältig zuvor, scheinen einzelne Melodielinien sich auszubreiten und widerzuhallen in einer funkelnden, vibrierenden Klanglandschaft.« Sakari Oramo hat mit den Wiener Philharmonikern eine zeitlose Interpretation vorgelegt, die so bald nicht übertroffen werden wird. Gleichwohl bleibt zu hoffen, dass viele Dirigenten und Orchester die Herausforderung annehmen.



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