English English    Amerikanske dollars (skift)
Dacapo Forsiden
Dacapo - Danmarks Nationale Musikantologi
e-maerket

Format:  SACD

Katalognummer:  6.220535

Stregkode:  747313153565

Udgivelsesdato:  Aug 2010

Periode:  Tidligt 20. århundrede

Anmeldelse


Rued Langgaard: Sfærernes musik

13 March 2011  Klassik.com
Tobias Pfleger

Klangwelten der Peripherie

Interpretation: 
Klangqualität: 
Repertoirewert: 
Booklet: 




 

Wer Musikgeschichte vor allem als Geschichte ‚großer Komponisten‘ begreift, die zumeist in den musikalischen Zentren wirkten, verliert allzu leicht aus dem Blick, was neben diesen Größen und an der Peripherie passierte. Und so konnte es geschehen, dass György Ligeti auf den Rat von Per Nørgård hin die Partitur eines Stücks des dänischen Komponisten Rued Langgaard in die Finger bekam und nach Durchsicht sein Erstaunen äußerte: ‚Ich wusste gar nicht, dass ich Langgaard-Epigone bin!‘ Anlass zu dieser Aussage war Rued Langgaards Sfærernes Musik (Sphärenmusik, komponiert 1916-18). Das Werk liegt nun in der Langgaard-Reihe des dänischen Labels Dacapo in einer exzellenten Einspielung vor. Auch hier dirigiert Thomas Dausgaard das Dänische Nationale Sinfonieorchester des Dänischen Rundfunks sowie zugehörige Chöre.

 

Sphärenklänge

Langgaards Sphärenmusik konnte man (obgleich sie 1921 in Karlsruhe uraufgeführt wurde und spätere Aufführungen unter anderem in Berlin stattfanden) leicht übersehen, denn Langgaard befand sich als Däne nicht nur an der Peripherie des mitteleuropäischen Musiklebens, sondern gewissermaßen an deren peripheren Außenposten: Nachdem er als Kritiker der tonangebenden Musikästhetik in Kopenhagen dort keinen Fuß in die Tür bekam, war er gezwungen, als Organist in Ribe (Westjütland) über die Runden zu kommen. Dort schuf der zuerst mit monumentaler Sinfonik Hervorgetretene Werke, die heute als (für ihre Zeit) hochmodern angesehen werden: Wiederholungsschleifen mit minimalen Veränderungen finden sich ebenso wie frei fließende Klangströme, die nicht als zielgerichteter Prozess sich fortzupflanzen scheinen. Und dann ist da eben noch die Betonung des Klangs, der nicht mehr klangliche Außenseite der musikalischen Substanz ist, sondern sie selbst.

Das zeigt sich etwa in der Sphärenmusik für Solo-Sopran, Chor, Orchester und Fernorchester. Das vokal-instrumentale Aufgebot lässt Monumentales erwarten, und doch werden in den vierzig Minuten währenden Sphärenmusik nur am Schluss alle Kräfte gebündelt; zumeist fließt der Klang in wellenförmiger Intensität in kleinen bis kleinsten dynamischen Regionen dahin. Wie bei vielen anderen Werken Rued Langgaards geben die Zwischenüberschriften der mitunter sehr kurzen Abschnitte Hinweise auf die symbolistische Ästhetik des Komponisten. Die Sphärenmusik fängt an mit 'Wie Sonnenstrahlen auf einem mit duftenden Blumen bedeckten Sarg', fährt fort mit 'Wie Sternenschimmer an einem bläulichen Himmel bei Sonnenuntergang', dazwischen finden sich etwa 'Sehnsucht - Verzweiflung - Extase', 'Chaos - Ruin - fern und nah' und am Schluss 'Das Ende: Antichrist - Christ'. - Die Zusammenstellung der Einspielung ist insofern schlüssig, als auf das ‚Antichrist - Christ‘-Ende der Sphärenmusik die gewissermaßen eingedampfte viersätzige Essenz von Langgaards Oper Antikrist mit dem Titel Endens Tid (Zeit des Endes) folgt. Dessen vierter Satz Katastrofen (Die Katastrophe) findet seine stimmige Fortführung in dem Chor-Orchesterwerk Fra Dybet (Aus der Tiefe).

Runde Klanggestaltung

Die als hybride SACD produzierte Einspielung wartet mit einem hervorragenden Klang auf, wodurch sowohl Farbe, Dichte als auch Dynamik von Langgaards Klangströmen aufs Beste transportiert werden. Thomas Dausgaard erweist sich auch hier einmal mehr als versierter Langgaard-Dirigent, der die Sinnlichkeit, die Stimmungsveränderungen, die subtilen Beleuchtungswechsel wunderbar einzufangen vermag. Mit dem Dänischen Nationalen Sinfonieorchester steht ihm ein Klangkörper zur Verfügung, der in Sachen Langgaard mittlerweile erfahren ist und die Musik als reich schattierten Gesamtklang zusammenzufügen versteht; Transparenz der Einzellinien ist hier nicht Garant orchestraler Qualität, und so, wie die Farben, Schraffuren und Überblendungen hier verfugt werden, gelingt es hervorragend, die Qualitäten von Langgaards Musik aufs Beste zu akzentuieren.





A CC Music Store Solution