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Dacapo - Danmarks Nationale Musikantologi
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Format:  SACD

Katalognummer:  6.200003

Stregkode:  747313300365

Udgivelsesdato:  Jun 2015

Periode:  

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Nielsen: The Symphonies & Concertos

03 July 2015  Basler Zeitung
Sigfried Schibli

Jubiläen sind oft tote Rituale. Manchmal aber helfen sie, das Werk schöpferischer Geister dem Vergessen zu entreissen. In diesem Jahr feiert die Musikwelt den 150. Geburtstag von gleich zwei grossen, aber häufig unterschätzten Komponisten aus Europa: Jean Sibelius und Carl Nielsen.

Die beiden Altersgenossen haben einiges gemeinsam. Sie studierten Viooline in ihrer Heimat (Helsinki beziehungsweise Kopenhagen) und komponierten vorwiegend Sinfonien. Dass dies nach Beethoven, Schubert und Schumann ein Problem war, weiss man von Brahms ung Wagner. Aber die Skandinavier Sibelius und Nielsen waren genügend weit entfernt von der deutch-österiechischen Musiktradition und mussen sich über die Frage, ob man nach Beethoven überhaupt noch Sinfonien schreiben könne, nicht den Kopf zerbrechen.

Musik für Geiger
Nielsen schrieb zwischen 1893 und 1925 gleich sechs Sinfonien. Diese liegen in zwei Neueinspielungen vor - einmal mit dem BBC Philharmonic unter dem finnischen Dirigenten John Storgards, die andere under dem Chef der New Yorker Philharmoniker, Alan Gilbert. Beider Musiker waren übrigens Geiger, bevor sie sich für eine Dirigentenæaufbahn entschieden.

Über die erste Nielsen-Sinfonie in g-Moll schrieb ein Kritiker, sie erinnere ihn an ein "Kind, das mit dynamit spielt". Dabei ist dieser Erstling des 28-Jährigen noch durchaus tastend und behutsam im Ausschreiten der tonalen Möglichkeiten. Den Sprengstoff gezündet hat Nielsen erst in seiner zweiten Sinfonie ("Die vier Temperamente"). Es ist Orchestermusik, die zupackende Virtousität und eine solistische Beweglichkeit verlangt, die typisch ist für diesen Komponisten. Dass er auch das lyrisch-melodische Register beherrscht, zeigt das zweite Thema des ersten Satzes, das in der New Yorker Aufnahme breiter, expressiver genommen wird als in der Konkurrenzeinspielung.

Musikalischen Zündstoff enthält vor allem die sechssätzige fünfte Sinfonie mit ihrer militärischen Motorik und den kecken, ungebügelt wirkenden Instrumentalsoli - zumindest im ersten Satz vielleicht das Künste, was Nielsen geschrieben hat, und sicherlich ein Nachklang auf den Ersten Weltkrieg. Die britische Aufnahme klingt kühler, unheimlicher als die klangsatte und damit etwas konventionelle amerikanische Einspielung. Vor allem der zweite Satz mit seinem Trommelfeuer ist von unerhört schlagkräftiger Wirknung.

Sinfonien mit Eigennamen
Nielsen gad seinen Sinfonien gern poetische Namen. Seine dritte heisst auch "Sinfonia espansiva" - ein "Ausbruch von Lebensbejahung", wie der Komponist im Rückblick sagte. Das Besondere an diesem Werk ist der Einbezug solistischer Vokalstimmen im zweiten Satz - das erinnert an Gustav Mahler, an den man sonst beim Hören der Nielsen-Sinfonien kaum denkt, an Claude Debussys "Nocturnes" oder an Alexander Skrjabins erste Sinfonie mit ihrem chorischen Finale.

Allerdings ist dieser Pastoralsatz von Carl Nielsen in blütenreinem C-Dur keine Hymne an die Kunst wie bei Skrjabin, sondern eine idyllische Feier der reinen Natur - mit Singstemmen (Sopran und Bariton), die Vokalisten singen, Holzbläsersoli, die von bukolischen Szenen erzählen, und Hörnen, die ein bisschen auf Naturton machen.

Im Alter liebte nielsen das Schlichte. Seine sechste und letzte Sinfonie ist eine "Sinfonia semplice", geschrieben einige Jahre nach der "Symphonie classique" von Prokofjew und einige Jahre von der "Simple Symphony" von Benjamin Britten. Das ist weniger kindliche als im Ausdruck eindeutige, klar fassbare Musik von einigem Klangreiz, weniger schwer, aber genauso originell wie das meiste, was Carl Nielsen der Nachwelt hinterlassen hat.

Lebensbejahende Musik
Den seltsamsten Titel trägt sicher die vierte Nielsen-Sinfonie: "Det Uudslukkelige", englisch "The Inextinguishable", deutsch "Das Unaslöschliche". Dieses Werk wurde vom Orchester Basel Sinfonietta im September 2014 aufgefürht. Hier ist man weit entfernt vom idyllischen Zauber der Dritten, die Musik schlägt nervös gespannte, drastische Töne an. Der Komponist wollte mitten im Ersten Weltkrieg den "elementaren Lebenswillen", den "Lebenstrieb" feiern, also wohl das, was Henri Bergson als "élan vital" bezeichnete.

Die Musik erinnert am ehesten an Tondichtungen von Richard Strauss, in ihrer Vorliebe für Terzenparallelen auch an die Sinfonik des Finnen Jean Sibelius. Mit Letzterem teilt Nielsen die Vorliebe für dunkle Farben, brodelnde Bässe und abrupte Brüche in der musikalischen Textur.

Während Sibelius nach seiner siebten und letzten Sinfonie noch über dreissig Jahre weiterlebte, blieben Nielsen nach Vollendung seiner sechsten und letzten Sinfonie 1925 nur noch sechs Jahre. Gewiss sind sie Sinfonien Nielsens für ein Publikum, das mit seiner Tonsprache nicht vertraut ist, harte Brocken. Wäre es nicht so unzeitgemäss, so müsste man dazu übergeben, in Konzerten einzelne Sätze zu programmieren - zum Beispiel das schwungvolle Pauken und reizvollen Holzbläser-Fugati.



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